Zwischenruf von Peter Laufmann

Schwarm in der Vorstadt: Kommt 'ne Biene geflogen

Wenn Bienenschwärme auf Wanderschaft gehen, ist das ein beeindruckendes Schauspiel. Unser Redakteur berichtet, wie er so ein Volk fand und warum man den Imker rufen sollte.

Bienenschwarm_kl.jpgLetzte Woche war Aufregung vor dem Abendessen: Die Kinder hatten auf dem Nachhauseweg einen Bienenschwarm gefunden, die sich zwischen einen Zaun und einen kümmerlichen Zweig kauerte, wohl um dem so gar nicht sommerlichem Wetter zu entgehen. Ich sah mir das Ganze an und tat das, was man am besten tut, wenn man es mit Bienen zu tun hat. Genau. Man ruft den Imker. Den nächsten findet man leicht übers Internet oder über die Gelben Seiten.

Unser nächster Imker kam und war froh, dass der Schwarm bequem zu erreichen war. Im Frühsommer sei die Zeit, in der sich Bienen auf den Weg machten, erklärte er, zog sich seine Imkerhaube- und Handschuhe an und besprühte die Tiere. „Das ist Wasser, soll sie beruhigen." Behutsam fegte er die Trauben von Bienen in einen mitgebrachten Kasten. Obwohl die Bienen ruhig waren, summte es wie verrückt und überall um uns herum flogen sie. Eine Menge war auch schon in der Holzkiste. „Wenn die Königin im Kasten ist, sammeln sich die Arbeiterinnen von ganz alleine." Wir warteten. Zeit, in der der Imker erklärte, warum sich überhaupt ein Volk teilt.

Im Frühsommer gibt es nämlich besonders viele Bienen im Stock, der Staat platzt quasi aus allen Nähten. In der Regel haben das die Imker im Blick und schöpfen die Überzähligen ab. Aber natürlicherweise teilt sich der Schwarm dann und vermehrt sich auf diese Weise. Dazu legt die alte Königin gut ein Dutzend Eier, die zu neuen Königinnen werden sollen, in sogenannte Weichselzellen. Dann organisiert die alte Königin ihren Umzug und verlässt den Stock mit einem Gefolge aus tausenden Bienen. Schlüpft nun die erste neue Majestät, tötet sie zunächst ihre Mitbewerberinnen und übernimmt dann den Rest des alten Volkes.

Wir hatten zusagen den alten Rumpfstaat auf Wanderschaft gefunden. Immer wieder schwärmen von dort Kundschafter aus, suchen nach Rast- und Wohnplätzen. Ein tolles Schauspiel, das zeigt, wie komplex selbst Insekten handeln. Außerdem zeigt es, dass die Natur schon vor der eigenen Haustür eine wunderbare Show liefert – wenn man ihr seine Aufmerksamkeit schenkt. Man kann ja von Herman Löns denken, was man will, aber einer seiner Verse ist mir in Erinnerung geblieben: „Halt die Augen offen, geschlossen deinen Mund und wandle still, so werden dir geheime Dinge kund."

Damit im Hinterkopf entdeckt man allerlei.

Unser Bienenschwarm ist jedenfalls im Auto zu seiner neuen Heimat gefahren. Der Imker sagte noch, dass sie jetzt erst einmal  ein wenig Zuckerwasser bekämen. Schließlich setzt auch ihnen der Nicht-Sommer zu.

Dafür scheint es ohne Ende Schnecken zu geben. Aber darüber ein andermal mehr...

Fotos: privat, Grecaud Paul - Fotolia.com

Artikelinformationen
Rubrik Natur / von Peter Laufmann / 25.06.2013
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