Nisthilfen und Blumenstreifen machen Äcker für die Bestäuber attraktiv

So können Bauern den Wildbienen helfen

Wildbienen sind wichtige Bestäuber vieler Nutzpflanzen – und dabei meist sogar effektiver als Honigbienen. Doch die Monokulturen unserer Landwirtschaft bieten ihnen nur wenig Futter und Nistplätze. Jetzt zeigt eine Studie: Dies lässt sich mit überraschend simplen Mitteln ändern.

Wildbienen-Nisthilfe

Simpel, aber effektv: NIsthilfe für Wildbienen aus Schilfhalmen (Foto: Verena Rieding)

Vielerorts droht inzwischen ein Bestäubermangel: Gebeutelt von Parasiten, Pestiziden und Futtermangel macht sich die Honigbiene immer rarer. Das hat auch Folgen für den Anbau wichtiger Nutzpflanzen, denn ohne diese Bestäuber sinken die Erträge. Honigbienen sind jedoch nicht die einzigen Insekten, die diese wichtige Aufgabe übernehmen. Auch die verschiedenen Wildbienen-Arten sind emsige Pollensammler. Inzwischen weiß man, dass die Erträge vieler Feldfrüchte spürbar steigen, wenn zwischen ihnen nicht nur Honigbienen, sondern auch ihre wilden Verwandten umherschwirren.

Rapsfelder als Testgebiet

Das Problem: Auch die Wildbienen haben es in den Monokulturen unserer industrialisierten Landwirtschaft schwer. "Wir haben daher untersucht, wie sich die Anzahl der Wildbienen auf landwirtschaftlichen Nutzflächen nachhaltig steigern lässt", erklärt Ingolf Steffan-Dewenter von der Universität Würzburg. Er und sein Team haben dafür die Bienenpopulation von Rapsfeldern untersucht.

Bei einigen dieser Felder brachten sie am Feldrand Nisthilfen an - kurze gebündelte Schilfhalme, in denen die Insekten ihre Eier ablegen können. Bei anderen sorgten sie für ein vielseitigeres Nahrungsangebot, indem sie Randstreifen mit Wildblumenmischungen anlegten. Dann beobachteten sie über einen Zeitraum von zwei Jahren, ob diese Maßnahmen von den Wildbienen angenommen wurden und wie dies deren Population beeinflusste.

Nach der Blüte kommt der Hunger

Das Ergebnis: In der typischen, von Raps dominierten Feldlandschaft leiden die Bienen unter den Monokulturen: Während der Rapsblüte im Mai locken die Felder zwar jede Menge Bestäuber an. Zu dieser Zeit legen die Wildbienen zahlreiche Bruten an, wie die Forscher beobachteten. Ist die Rapsblüte aber nach wenigen Wochen wieder vorbei, bricht die Population und auch die Brutaktivität ein.

"Blütenpflanzen sind die einzige Nahrungsressource von Wildbienen – und zwar sowohl der erwachsenen Tiere als auch ihrer Larven", erläutert Steffan-Dewenter. "Die Insekten gedeihen also nur dort, wo auch ausreichend Blütenpflanzen zur Verfügung stehen." Um eine größere Vielfalt von Bienen anzusiedeln, müssen daher genügend blütenreiche Gebiete in der Nähe der Nistplätze vorhanden sein. Fehlen diese zusätzlichen Futterplätze, bleiben auch die Bienen auf Dauer aus.

Einfache Maßnahmen mit positiver Wirkung

"Um den Bienen zu helfen, reichen oft schon schmale Streifen mit Wildblumen", betont Steffan-Dewenter. "Wir konnten zeigen, dass derartige Maßnahmen, aber auch naturnahe Habitate in der Umgebung, die Häufigkeit von Wildbienen auf den Feldern positiv beeinflussen." Ebenfalls wichtig ist die Bereitstellung von Nisthilfen, wie die Studie ergab.

Dort, wo genügend Blütennahrung und Nisthilfen vorhanden sind, können sich die Wildbienen rasant vermehren. Entsprechend viele Bestäuber sind in solchen Gebieten dann aktiv. "Unsere Arbeit zeigt, wie positiv sich vergleichsweise einfache Maßnahmen auf die Zahl und Vielfalt der Bestäuber auswirken", erklärt der Würzburger Biologe. Solche Maßnahmen kommen nicht nur der Natur zugute, die Landwirte können sich auf diese Weise auch unabhängiger von der Honigbiene machen.

Der konkrete Vorteil: Mit Hilfe von Wildbienen lässt sich der Ertrag vieler Nutzpflanzen steigern. Und auch aus anderen Gründen sei es sinnvoll, auf verschiedene Bestäuberarten zu setzen, erklärt Andrea Holzschuh von der Universität Würzburg. Eine einzige Bienenart kann schnell durch Parasiten oder Krankheiten gravierend dezimiert werden, sind verschiedene Arten aktiv, ist dieses Risiko geringer.

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg

2 Leserkommentare zu diesem Artikel:
von Jürgen Kruse / 20. Juli 2017 / 10.19 Uhr

Agrarwende notwendig!

Gravatar ThumbnailWir brauchen dringend eine Agrarwende hin zu einer bodengebundenen, regionalen Landwirtschaft ohne giftige Gülle, ohne Kunstdünger und vor allem ohne pestizide! --- In der Landschaft brauchen wir vor allem Biotopverbundlinien in Form von ökologisch bedeutsamen Hecken (ausreichend breit, mit Kernzone, Mantel und Krautsaum) und Dauerblühstreifen mit heimischen Wildkräutern. Nisthilfen für Wildbienen und Solitärwespen sind d a natürlich auch hilfreich! Siehe auch: Arbeitskreis Heckenschutz, http://www.hecke.wg.vu --- und: https://www.facebook.com/Heckenschutz.de/

von RR / 22. Juli 2017 / 06.22 Uhr

Agrarwende

Gravatar ThumbnailWie sang Pippi Langstrumpf : Ich mach mir meine Welt wie sie mir gefällt. Wenn sie auch noch die 2.Seite Ihrer heilen feudalen Agrarumwelt konzipieren würden. Wir brauchen.....(wer ist das? der aufgeklärte und einsichtige Mensch? wenn der Verbraucher kein billiges Fleisch mehr kauft und. und. und... sondern Haferflocken und Leinsaat etc. dann fällt die Ausbeutung der Natur aus..

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Informationen zum Artikel

Nadja Podbregar
Datum: 19.07.2017
Kategorie: Natur
Kommentare: 2

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