Mieterstrommodelle machen Photovoltaik auch für Mietshäuser lohnend

Solarstrom: Vom Dach direkt zum Mieter

Solarstrom für Mietshäuser wird wirtschaftlicher: Neue Förderprogramme und geringere Abgaben machen solare Mieterstrommodelle immer lohnender – für Mieter und ihre Hauseigentümer. Immerhin rund 20 Prozent der Mietwohnungen würden sich für Mieterstrom eignen.

Photovoltaik

Noch sind Solaranlagen auf Mietshäusern selten – aber das könnte sich ändern. (Foto: Simon Kraus/ Fotolia)

Rund 1,5 Million Gebäudeeigentümer in Deutschland betreiben inzwischen eine Photovoltaikanlage auf ihrem Dach. Sie profitieren davon, dass die Erzeugungskosten für den Solarstrom niedriger sind als der Strompreis. Der Sonnenstrom vom eigenen Dach kostet gerade bei neuen Anlagen nur rund halb so viel wie der aus dem Stromnetz.

Ungenutztes Potenzial

In Mietshäusern jedoch ist günstiger Ökostrom vom Dach bisher eher die Ausnahme. Die Gründe sind vor allem wirtschaftlicher Natur: Anbieter von Mieterstrom müssen seit Mitte 2014 die volle EEG-Umlage, derzeit 6,35 Cent netto pro Kilowattstunde (kWh), zahlen, wenn sie die Mieter mit dem hausgemachten Strom vom Dach versorgen. Hinzu kommen bei Mieterstromvorhaben zusätzliche Kosten etwa durch aufwändige Zählerkonzepte. Der Ertrag solcher Modelle war infolgedessen meist zu gering, um auf dem Markt eine Chance zu haben.

Doch jetzt kommt Bewegung in die Sache. Künftig könnten vermehrt auch Mieter in den Genuss des preiswerten Ökostroms kommen. Mieterstrommodelle heißen die neuen Projekte. "Von Mieterstrom profitieren alle Akteure", sagt Carsten Tschamber vom Solar Cluster Baden-Württemberg. "Das Marktpotenzial in Deutschland ist außerordentlich hoch." Immerhin rund 20 Prozent der Mietwohnungen eignen sich für Mieterstrom. Das sind insgesamt 1,5 Millionen Wohnungen, hat das Marktforschungsunternehmen Trendresearch ausgerechnet.

Mieterstrommodelle: So geht's

Und so funktionieren die solaren Mieterstrommodelle: Der Gebäudeeigentümer verpachtet sein Dach an ein Unternehmen, eine Energiegenossenschaft oder ein Stadtwerk, das dort eine Photovoltaikanlage errichtet, betreibt und die Mieter mit dem günstigen Solarstrom beliefert. "Der vor Ort von der Solaranlage erzeugte Strom verbleibt im Gebäude, wird dort verbraucht und nutzt nicht das öffentliche Stromnetz", erklärt Tschamber. "Der Strom ist daher von Netzentgelten und der Stromsteuer befreit und wird den Mietern bis zu 15 Prozent günstiger als normale Stromtarife angeboten."

Liefert die Solaranlage bei bedecktem Himmel nicht genug Elektrizität, bekommen die Mieter automatisch Strom aus dem Netz. Solarstromüberschüsse werden eingespeist und im Rahmen des EEG vergütet. Im Briefkasten liegt weiterhin nur eine Stromrechnung. Ein Wechsel vom Mieterstrommodell zu einem anderen Anbieter ist jederzeit möglich. Und wer keine Lust auf das Angebot des Vermieters hat, kann es einfach ausschlagen und bei seinem Stromversorger bleiben.

Immerhin rund hundert solcher Mieterstrom-Projekte wurden deutschlandweitbereits realisiert, viele sind in den Startlöchern. Stadtwerke, Wohnungsbauunternehmen und Firmen aus dem Energiesektor bieten fachliche Hilfe an.

Bedingungen verbessert

Die Bedingungen für solche Projekte haben sich jetzt deutlich verbessert: Ende Oktober und Anfang November 2016 haben zwei Bundesländer, Nordrhein-Westfalen und Thüringen, Förderprogramme für Mieterstromprojekte aufgelegt. Ab nächstem Jahr könnte noch einmal ein höherer Ertrag winken: Ab 1. Januar 2017 soll die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes die für Mieterstrom fälligen Abgaben um 60 Prozent verringern. Das könnte den Strom für Mieter um bis zu 4 Cent pro kWh billiger machen.

Der Mieterstrom bringt auch den Gebäudeeigentümern bares Geld. Die Eigentümer erhalten eine monatliche oder jährliche Pacht. Sie können die Anlage zwar auch selbst errichten und den Strom an ihre Mieter verkaufen. Dann erhöht sich ihr Gewinn, aber auch der Aufwand bei Anmeldungen und Abrechnungen. Auch der steigende Strompreis von wahrscheinlich im Mittel drei Prozent zum Jahreswechsel machen die Solarmodelle lohnender.

Einige Erschwernisse gibt es noch

Noch allerdings gibt es auch einige Hemmnisse. So fehlt es aktuell an eindeutigen Regelungen, wie die Stromzähler angeordnet sein müssen und in welcher Form der Netzanschluss zu erfolgen hat. Auch der Wechsel von Mietern zu einem anderen Stromanbieter erfordert noch eine enge Abstimmung mit dem Netzbetreiber – und damit viel Papierkram.

Um diese Unsicherheiten zu beseitigen und Forderungen an die Politik zu stellen, arbeitet das Solar Cluster Baden-Württemberg derzeit zusammen mit zahlreichen weiteren Akteuren aus Wissenschaft und Energiewirtschaft an Lösungen. "Wir wollen erreichen, dass Mieter auch finanziell von der Energiewende profitieren", so Tschamber. "Deshalb brauchen wir mehr Mieterstrommodelle."

Informationen zu Photovoltaik-Mieterstrom bietet ein Leitfaden des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW).

Quelle: Solar Cluster Baden-Württemberg

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Informationen zum Artikel

Nadja Podbregar
Datum: 04.11.2016
Kategorie: Umwelt
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