Schiffstreibstoff darf ab 2020 nur noch 0,5 Prozent Schwefel enthalten

Strengere Umweltauflagen für die Schiffahrt

Fortschritt für den Umweltschutz auf See: Ab dem 1. Januar 2020 gelten für Schiffe deutlich strengere Umweltauflagen. Schiffe dürfen dann nur noch Treibstoffe verwenden, die maximal 0,5 Prozent Schwefel enthalten. Zudem muss der Treibstoffverbrauch offengelegt werden.

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Ab 2020 darf Schiffstreibstoff nur noch 0,5 Prozent Schwefel enthalten – das reduziert die Emissionen. (Foto: IMO)

Schiffe sind wichtige Transportmittel im Welthandel, doch gerade große Frachter sind auch echte Dreckschleudern. Mit Schiffsdiesel oder Schweröl betrieben, stoßen sie oft enorme Mengen an Ruß, Feinstaub und Abgasen aus – und das schadet sowohl der Gesundheit als auch der Umwelt und dem Klima. Erst kürzlich schätzten Forscher, dass allein die Partikel-Emissionen des Schiffsverkehrs auf Nord- und Ostsee zu 10.000 vorzeitigen Todesfällen pro Jahr beitragen könnten.

Bisher jedoch gibt es nur wenige international geltende Umweltstandards – und diese gelten längst als nicht mehr ausreichend. So ist seit Januar 2012 der Schwefelgehalt von Schiffstreibstoffen global immerhin auf maximal 3,5 Prozent begrenzt. Doch dadurch entstehen noch immer Millionen Tonnen an Schwefeldioxid weltweit. Nur in einigen Meeresgebieten herrschen lokal strengere Umweltauflagen.

Nur noch 0,5 Prozent Schwefel

Jetzt jedoch hat die International Maritime Organization (IMO), die für die Schifffahrt zuständige Behörde der UN, schärfere Grenzwerte beschlossen. Auf der Sitzung des Marine Environment Protection Committee (MEPC) in London beschlossen die Delegierten, den Schwefelgrenzwert künftig auf 0,5 Prozent zu senken. Die neue Richtlinie soll ab 2020 in Kraft treten, wie die IMO berichtet.

Die Entscheidung beruht auf einem Vorbericht, der ermitteln sollte, ob genügend Treibstoff zur Verfügung steht, der die neuen, strengeren Grenzwerte erfüllt. Ursprünglich sollte dieser Bericht erst bis 2018 fertiggestellt werden, doch überraschenderweise wurde er bereits 2016 abgeschlossen. In ihm kommen die Forscher zu dem Schluss, dass es ausreichend Alternativen für die schwefelreichen Antriebsmittel gibt.

"Positive Wirkungen auf Umwelt und Gesundheit"

Die neuen Grenzwerte werden den Schwefeldioxid-Ausstoß im Schiffsverkehr deutlich mindern. IMO-Generalsekretär Kitack Lim erklärte dazu: "Wir erwarten, dass die durch die niedrigeren Schwefelgehalte erreichten Emission-Reduktionen eine signifikante positive Wirkung auf Umwelt und menschliche Gesundheit haben werden", so Lim. "Die Besserungen werden sich vor allem für die Menschen bemerkbar machen, die in Hafenstädten und Küstengemeinden leben."

Nach Ansicht des Verbands Deutscher Reeder könnte dies sogar den Ausstieg aus Schweröl als Schiffstreibstoff fördern – und damit auch den Ausstoß weiterer gesundheitsschädlicher Stoffe mindern. Die neue Regelung gilt für alle "Treibstofföle an Bord" und damit sowohl für die Hauptmotoren als auch für Nebenantriebe. Die einzigen Ausnahmen sollen für Notsituationen gemacht werden, wenn es beispielweise um die Rettung des Schiffs oder von Leben geht.

Beitrag zum Klimaschutz

Zusätzlich zur Senkung der Schwefel-Grenzwerte hat die IMO auf ihrer Sitzung auch weitere Verschärfungen der Umweltstandards beschlossen. So soll auch bei den Schiffsabgasen der Ausstoß von Stickoxiden und CO2 strenger überwacht und begrenzt werden. Zudem sind Schiffe ab 5.000 Tonnage ab 2018 dazu verpflichtet, über ihren Treibstoffverbrauch Buch zu führen und ihn zusammen mit anderen Daten den Behörden zu melden. Diese Daten sollen der IMO helfen, ab 2023 auch die Grenzwerte für CO2 und möglicherweise weitere Abgase zu verschärfen.

Die jetzt beschlossenen Verschärfungen tragen damit dazu bei, auch den Klimaschutz auf See voranzubringen: "Die IMO wird auf dem Klimagipfel von Marrakesch im nächsten Monat über diese greifbaren Fortschritte berichten", sagt Lim. "Das wird zeigen, dass es uns Ernst damit ist, den Treibhausgas-Ausstoß der internationalen Schifffahrt zu verringern."

Quelle: International Maritime Organization (IMO)

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Informationen zum Artikel

Nadja Podbregar
Datum: 03.11.2016
Kategorie: Umwelt
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