Invasives Nadelkraut bringt einheimische Arten in Bedrängnis

Sumpfpflanze erobert Norderney

Es breitet sich teppichartig aus, kommt ursprünglich aus Neuseeland und wird inzwischen auch auf deutschen Nordseeinseln zunehmend ein Problem: Das eingeschleppte Nadelkraut breitet sich auf Norderney immer weiter aus und verdrängt dabei auch seltene und bedrohte Pflanzenarten.

Nadelkraut

Das invasive Nadelkraut breitet sich in Norddeutschland aus. (Foto: Markus Prinz/ ICBM)

Das Nadelkraut (Crassula helmsii) ist eine Sumpfpflanze, die in Feuchtgebieten und in flachen Gewässern wächst. Ursprünglich in Australien, Neuseeland und Tasmanien heimisch, breitet sich das Dickblattgewächs inzwischen auch in Europa immer weiter aus. Weil das Nadelkraut einheimische Arten verdrängt, wurde es in Deutschland auf die Schwarze Liste invasiver Arten gesetzt. Die hartnäckige Sumpfpflanze kommt bei uns bereits im westlichen Norddeutschland und an der Nordseeküste vor.

Auf der Insel Norderney tauchte das Nadelkraut Anfang der 2000er Jahre auf. Wie sich dies seitdem auf die Pflanzenwelt der Insel ausgewirkt hat und welche möglichen Gegenmaßnahmen es gibt, hat der Landschaftsökologe Markus Prinz von der Universität Oldenburg untersucht. "Die Ostfriesischen Inseln sind ein hochsensibler Lebensraum, der seltenen Arten oft einen letzten Rückzugsort bietet", erklärt Prinz' Kollege Holger Freund. "Gerät dieser Raum unter Druck, können aufgrund seiner geografischen Begrenztheit die Arten nicht ausweichen und gehen schnell verloren."

Erste Opfer der Verdrängung

Auf Norderney kommen mehrere Pflanzenarten vor, die auf der Roten Liste stehen und als stark gefährdet gelten. Dazu gehören die Salzbunge (Samolus valerandi) und der Europäische Strandling (Litorella uniflora). Beide sind durch die Ausbreitung des Nadelkrauts akut bedroht, wie Prinz festgestellt hat. Während er vor rund zwei Jahren noch zwei Exemplare des Strandlings in einem der Norderneyer Nadelkrautbestände fand, ist die bedrohte Art heute aus dem vom Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer geschützten Bereich verschwunden.

Auch das im Norderneyer Südstrandpolder gelegene größte zusammenhängende Schilfröhricht der Ostfriesischen Inseln gerät offenbar in Bedrängnis. Denn hier breitet sich das Nadelkraut ebenfalls zunehmend aus und bedeckt bereits 300 Quadratmeter. "Geht das Schilf hier weiter zurück und verlanden die Wasserflächen unter dem Einfluss des Nadelkrauts noch stärker, könnte dies zahlreiche Vogel- und Insektenarten in ihrem Bestand bedrohen", sagt Prinz. Unter den Vogelarten sind dies etwa Schilfrohr- und Teichrohrsänger, Rohrammer, Tüpfelralle und Löffler.

Versalzung hilft besser als ausreißen

Wie aber lassen sich diese Arten vor der invasiven Pflanze schützen? Wie man die Ausbreitung des Nadelkrauts eindämmen kann, hat Prinz ebenfalls untersucht. Sein Fazit: Das Herausreißen der Pflanzen sei kein Mittel der Wahl – zu groß sei die Gefahr einer unbeabsichtigten weiteren Verbreitung. Möglicherweise aber gibt es einen anderen Weg: Erhöht sich der Salzgehalt des Bodens, beginnt das Nadelkraut zu verkümmern. Abschattung setzt es unter zusätzlichen Stress.

Wenn man die von Nadelkraut überwucherten Flächen daher gezielt mit Salzwasser flutet, könnte dies die Sumpfpflanze eindämmen helfen. Erste Freiland- und Laborversuche haben bereits ergeben, dass eine kontrollierte Versalzung der betroffenen Flächen den ursprünglichen Bewuchs weitgehend erhält, das Nadelkraut aber zurückdrängt.

Quelle: Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

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Informationen zum Artikel

Nadja Podbregar
Datum: 22.11.2017
Kategorie: Natur
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