Buchstäblich kostbar

Tigerschutz ist Milliarden wert

Natur- und Tierschutz ist kostspielig, heißt es. Doch offenbar kann auch genau das Gegenteil der Fall sein, belegt eine Studie am Beispiel von Tigerreservaten in Indien. Unterm Strich zeigt sich: Die Investition rentiert sich auch ökonomisch.

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Der 29. Juli ist der internationale Tag des Tigers. (Foto: Indisher Tiger, Dibyendu Ash, Ranthambhore Tiger Reserve, Rajasthan, India. Fotoauschnitt, CC BY-SA 3.0)

Klar ist: Für die wildlebenden Tiger der Erde wird es eng. Neben der Bejagung sind die charismatischen Großkatzen vor allem durch den Lebensraumverlust vom Aussterben bedroht. Für drei der einst neun Unterarten bedeutete dies bereits das Aus. Insgesamt gibt es nur noch etwa 3900 Tiger in freier Wildbahn - weniger als in Gefangenschaft. Die größten Bestände von wildlebenden Tigern besitzt Indien: Hier leben noch etwa 2200 Tiger, meist in Naturreservaten.

Angeblicher Luxus

Doch die indischen Tiger sind keineswegs sicher: Wirtschaftliche Interessen und der Bevölkerungsdruck stellen den angeblichen "Luxus" des Tigerschutzes in Frage. Doch ist die Investition in Tigerreservate denn wirklich ein Verlustgeschäft für das aufstrebende Land? Dieser Frage haben sich nun Forscher um Madhu Verma Indian Institute of Forest Management in Bhopal gezielt gewidmet.

Für ihre Studie haben sie einmal akribisch zusammengerechnet, welche finanziellen Gewinne aus sechs untersuchten Naturreservaten in Indien hervorgehen, die dem Tigerschutz zugeordnet werden. Beispielsweise können diese ökonomischen Vorteile durch die Wasseraufbereitung und -bereitstellung, Fischerei, Land- und Forstwirtschaft sowie durch die allgemeine Sicherung von Arbeitsplätzen entstehen.

Sie kamen zu dem Fazit: Der ökonomische Wert der sechs untersuchten Tigerschutzgebiete liegt durchschnittlich bei jährlich bis zu 2500 Euro pro Hektar. Hochgerechnet bedeutet dies: Die Ökosystemleistungen allein dieser sechs Gebiete entspricht einer Kapitalanlage im Wert von 19,7 Milliarden Euro. Die Bedeutung dieser Zahlen wird aber vor allem im Vergleich deutlich: Die Tigerreservate liefern damit einen durchschnittlich 356-mal höheren Ertrag, als bislang für ihren Erhalt ausgegeben wird, sagen die Forscher.

Vielschichtige Gewinnchancen

"Die Tigerreservate in Indien schützen nicht nur mehr als die Hälfte der globalen Tigerpopulation, sondern bieten auch wirtschaftliche, soziale und kulturelle Vorteile in Form von lebenswichtigen Ökosystemleistungen", resümierte Barbara Maas vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) anlässlich des Internationalen Tag des Tigers am 29. Juli.

Die Erkenntnis, dass sich Tigerschutz auch ökonomisch rentiert, kann nun entscheidende Informationen für zukünftige Entscheidungen über den Schutz von Tigerreservaten liefern, ist man beim NABU überzeugt. Profitieren kann vor allem die bessere Zuweisung von Finanzmitteln und die Bewältigung von Konflikten mit der lokalen Bevölkerung, betont die Naturschutzorganisation.

Quelle: NABU

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Martin Vieweg
Autor: Martin Vieweg
Datum: 31.07.2017
Kategorien: Natur / Umwelt
Kommentare: 0
Schlagworte: Tiger / Naturschutz / Wildtiere / Raubkatzen

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