Jedes fünfte Küken ist von einem fremden Vater

Untreue Nachtigallen

Untergeschobene Küken gibt es nicht nur bei Kuckucken: Auch die Nachtigallen nehmen es mit der Treue nicht so genau. Wie eine Studie zeigt, stammt jedes fünfte Küken in den Nestern nicht von dem Vogelmann, der die Jungen mit aufzieht. Stattdessen ist oft der Nachbar der heimliche Vater.

Nachtigall

Lockt dieses Nachtigallenmännchen mit seinem Gesang gerade die Frau seines Nachbarn zum Seitensprung?  (Foto: Victor Tyakht/ Fotolia)

Nachtigallen führen auf den ersten Blick eine vorbildliche Beziehung: Beide Partner ziehen ihre Jungen gemeinsam auf und kümmern sich beide darum, dass diese genügend Futter bekommen. Die Väter verteidigen ihr Nest, Weibchen und Territorium zudem gegen vorwitzige Eindringlinge und Konkurrenten. Doch wie treu sind die Nachtigallen sich in dieser scheinbar monogamen Beziehung wirklich?

Um das herauszufinden, haben Conny Landgraf von der Freien Universität Berlin und ihre Kollegen eine ganze Kolonie von Nachtigallen in der Nähe von Potsdam über vier Paarungs- und Brutsaisons hinweg eingehend beobachtet und auch ihre Gesänge belauscht. "Den Feldteams ist es in den jeweils sehr kurzen Brutphasen von nur wenigen Wochen gelungen, beeindruckend viele Daten zu sammeln. Dafür haben sie Tag und Nacht und bei jedem Wetter beobachtet", schildert Landgraf. Mittels Blutproben bestimmten sie die Vaterschaft von 121 Küken aus 28 Nestern.

20 Prozent sind "Kuckuckskinder"

Das überraschende Ergebnis: In den Nestern der Nachtigallen wimmelt es von "Kuckuckskindern" - Küken, die einen anderen Vater als den "offiziellen" Partner der Mutter hatten. Jedes fünfte Küken, so ermittelten die Forscher, stammte von einem Nebenbuhler des vermeintlichen Vaters. Demnach lassen sich Nachtigallweibchen in der Paarungszeit durchaus zu einem Seitensprung verführen.

Dabei waren die Küken aus diesen heimlichen "Affären" nicht gleichmäßig über alle Nester verteilt: In knapp der Hälfte der untersuchten Nester fanden die Biologen ein oder mehrere Küken mit anderem als dem sozialen Vater. In einem Fall waren sogar alle fünf Küken eines Nestes nicht vom sozialen Vater, sondern von zwei verschiedenen nahen Nachbarn gezeugt worden.

Vom sangesfreudigen Nachbarn verführt

Die Wahrscheinlichkeit für Seitensprünge der Nachtigallweibchen erhöht sich dabei offenbar mit der Gelegenheit, wie die Wissenschaftler herausfanden: "Mit mehr Nachbarn in nächster Nähe steigt generell die Wahrscheinlichkeit, Fremdküken im Nest zu haben", erklärt Landgraf. Warum die Nachtigallmännchen dieses Risiko eingehen und trotzdem häufig ihre Nester dicht an dicht bauen, bleibt bisher offen. Möglicherweise gibt es keine besseren Alternativen oder aber sie setzen ihrerseits darauf, selbst Nachbarweibchen zum Fremdgehen animieren zu können – quasi als Ausgleich.

Klar scheint aber, dass besonders sangeskräftige Männchen am ehesten ein Weibchen zum Seitensprung animieren können. Denn wie die Forscher feststellten, war in den meisten Fällen das Gesangsrepertoire des außerpartnerschaftlichen Vaters größer als das des sozialen Vaters. Offen bleibt allerdings, ob der Gesang das Verhalten der Weibchen beeinflusst oder die Männchen mit großem Repertoire eher in fremden Territorien nach Seitensprüngen suchen. Das wollen die Vogelforscher nun in Folgestudien herausfinden.

Quelle: Freie Universität Berlin

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Informationen zum Artikel

Nadja Podbregar
Datum: 07.06.2017
Kategorie: Natur
Kommentare: 0
Schlagworte: Nachtigall / Singvogel / Vogel / Brut / Nest / Paarung

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