Rechercheblog aus Tansania

"Vergiss den ganzen Martial-Arts-Quatsch"

Teil IV: Peter Laufmann bloggt vom World Ranger Congress in Arusha, Tansania. Wichtige Themen heute: Selbstverteidigung gegen Wilderer, neue Methoden, um Elefanten besser zu schützen, und die merkwürdige Rolle, die Frauen manchmal in afrikanischen Dorfgemeinschaften ausüben

Selbstverteidigung.jpgAm späten Nachmittag gab es hier eine kleine Einführung in Sachen Selbstverteidigung für Ranger. Das war ziemlich beeindruckend und ziemlich ernüchternd. Zwei Ranger aus Tansania erzählten aus ihrer Praxis, dass praktisch keine Woche vergeht, ohne dass es einen Zwischenfall mit Wilderern gibt. Viele arbeiten mit Schlingen, manche mit selbstgebauten Büchsen und manche mit der AK47.

Besonders häufig werden die Ranger mit Parangs, das ist die hiesige Version der Machete, angegriffen. Die beiden zeigten, wie man sich dagegen wehrt. Regel 1: "Vergiss den ganzen Martial-Arts-Quatsch". Wer versucht, einen mit Adrenalin vollgepumpten Wilderer, der mit einem armlangen, schweren Haumesser auf einen zu rennt, zu parieren, indem er versucht den Schlag zu blocken, verliert wenigstens den Arm, wahrscheinlich sogar sein Leben. Ausweichen, und ins Bein treten. Kurzen Prozess machen. Und nicht auf Sperenzen einlassen.

Ein anderer Ranger zeigte brutale Bilder und bestätigte das. Zwei seiner Kollegen sind auf diese Weise gerade erst angegriffen worden. Die Frau ist tot, der Mann lag mit gespaltenem Schädel im Busch und hat zum Glück überlebt. In Afrika wird der Kampf gegen Wilderer mit harten Bandagen ausgefochten.

Gestern gab es eine Präsentation über interessante Wege, Wildtiere besser zu fördern und zu schützen. Sieht man sich die einzelnen Bestände auf der Karte an, stellt man schnell fest, dass so eine weit auseinanderliegende Isolation schnell in die Sackgasse führt. Die Lösung ist es, Korridore offen zu halten und die Menschen, die in so einem Gebiet leben, einzubeziehen. David Western erläutert das am Beispiel von Elefanten im Grenzgebiet zwischen Kenia und Tansania. Elefanten seien wichtig, weil sie nicht nur Ikonen sind und eine Flaggschiff-Art, sondern weil sie auch das Land offen halten. Die Massai sagen nicht von ungefähr: „Elefanten machen Grasland, Kühe Buschland". Elefanten erledigen Bäume und Buschwerk und das Gras kann wachsen.

Anschließend erklärte eine Expertin, warum Frauen eine wichtige Rolle bei der Wilderei spielen. Die Befragung vieler Dorfgemeinschaften hatte ergeben, dass die Jagd in der Regel Männersache ist, aber dass die Frauen viele Männer zur Wilderei treiben, die sonst lieber nicht in den Busch gingen. „Was bist du für ein Mann? Schau, die anderen gehen auch wildern, warum du nicht? Wenn du kein Fleisch bringst, koche ich nicht..." Und solcherlei Dinge. Das heißt, es ist nicht damit getan, die Wilderer zu stellen, sondern man muss die ganze Gemeinschaft einbeziehen.

(Foto: Marco Kost)

Keine Kommentare
Diesen Artikel kommentieren

Informationen zum Artikel

Peter Laufmann
Datum: 09.11.2012
Kategorien: Natur / Reisen
Kommentare: 0
Schlagworte: Ranger / Wildererei / Afrika / Tansania / Frauen / Blog