Spitzbergen-Blog

Von schmelzenden Gletschern und energiesparenden Eisbären

Landschaften sind nicht ewig. Sie verändern sich mitunter in einem Menschenleben. Wie schnell selbst wildeste Gegenden ein neues Gesicht kriegen, sieht man in der Arktis.

Heute in der Nacht sind wir im Magdalenenfjord vor Anker gegangen. Der Fjord ist gut zu errreichen, schon Willem Barents hat hier Station gemacht, dennoch machen viele kleinere Schiffe einen Bogen um ihn. Nicht, dass er nicht schön wäre. Im Gegenteil. Nur, diese Ecke wurde den großen, den richtig großen Dampfern zugesprochen, manche sagen geopfert. Hier können sie ihren hunderten, tausenden von Gästen die Möglichkeit geben, auch einmal an Land zu gehen und Majestät der Geologie Spitzbergens hautnah zu erleben.

Wir haben hier Station gemacht, um uns den Gletscherschwund anzusehen. Denn, weil hier schon seit hundert Jahren Touristen herkommen, gibt es zahlreiche Fotografien. Zeitzeugen des Eiszustands von damals. Zuerst sind wir mit den Zodiacs an kleinen Eisbergen vorbei an die Kante des Waggonwaybreen gefahren. Dieser „Wagenspurgletscher" trägt seinen Namen, weil der Schutt, den zwei Gletscherströme hier zusammenführen eben wie eine Wagenspur aussieht. Martin erläuterte, wo die Gletscherkante früher lag.

Von dort sind wir an der Felskulisse vorbei zum Gravneset, zur „Gräberhalbinsel" gefahren. Auch dieser Name enthüllt bereits einen Teil seiner Geschichte, denn dort liegen rund 130 Walfänger begraben. Obendrein sind an dem Sandstrand noch die Reste der alten Tranfen zu sehen, mit denen früher das Walöl gekocht wurde. Aus Fett und Sand hat sich eine feste Kruste gebildet, die die Jahrhunderte überdauert hat. Christian erzählte uns aus dieser wichtigen aber traurigen Epoche der Geschichte. Anfang des 17. Jahrhunderts war der Walfang von Land ein einträgliches aber auch riskantes Geschäft; ein falscher Handgriff, ein dummer Zufall konnte das Ende bedeuten. Wahlweise durch Verletzungen, Ertrinken oder Erfrieren. Nicht zu vergessen Krankheiten wie etwa Skorbut forderten immer wieder ihren Tribut.

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Einmal über die Halbinsel drüber und dann links – schon liegt der Gullybreen vor einem. Jeder Gletscher wird, je näher man kommt, zu einer stummen Drohung. Deswegen ist es klug, genug Abstand zu halten. Wie klug bewies der Gullybreen, als er nach unserem Besuch kalbte und ein Stück Eis ins Meer warf von der Größe eines neuen Münchner Einfamilienhauses. Das Grummeln und Poltern füllte die Bucht und ein kleiner Tsunami brachte Unruhe ins Meer. Kein Wunder, dass viele Eisbrocken viel höher als die Flutkante auf Land liegen.

Weiter. Schließlich wollten wir noch ins Packeis. Wir verließen den Magdalenenfjord wieder und passierten die Danskoya. Am östlichen Ufer entdeckte die Brücke einen Eisbären. Unseren ersten Eisbären! Schnell änderten wir den Plan und es ging wieder in die Zodiacs, um ihm auf den haarigen Pelz zu schauen.

Es war ein Männchen, dass hier, weit weg vom Eis und von seiner Lieblingsnahrung, den Robben, auf die Rückkehr des Winters wartete. Eine ganze Weile beäugten wir uns gegenseitig. Beide interessiert aber mit dem nötigen Abstand.

Zum Abschluss gings es noch zum Smeerenburgbreen. Drei Kilometer breit ist dieser Gletscher und wenigstens 30 Meter hoch. Viele einzelne Gletscher sind das, die da zusammenfließen. Zerrissen ist seine Oberfläche und Blau seine Kante. Auch dieser Gletscher hat die letzten Jahre sichtbar Federn gelassen.

Abdrehen und Kurs Nord. Ins Eis.

PS: Heute Abend noch fünf bis sechs Finnwale.

Bild: Peter Laufmann

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Informationen zum Artikel

Peter Laufmann
Datum: 06.09.2013
Kategorien: Blogs / Leserreisen / Natur
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Schlagworte: Spitzbergen / Leserreise / Blog / Gletscher / Eisbär / Klimawandel

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