Kosmetikhersteller verwenden weiterhin Mikroplastik – nur in anderer Form

Von wegen "Mikroplastik-frei"

Viele Shampoos, Duschgele oder Kosmetika werben damit, frei von Mikroplastik zu sein. Doch das ist oft gemogelt, wie ein Check der Umweltorganisation Greenpeace enthüllt. Zwar lassen die Hersteller feste Plastikpartikel weg, verwenden aber dafür massenhaft flüssiges oder gelförmiges Mikroplastik.

Kosmetik

Auch wenn "Mikroplastik-frei" draufsteht, welche Produkte sind wirklich plastikfrei? (Foto: Robert Kneschke/ Fotolia)

Geschätzt 150 Millionen Tonnen Plastik belasten die Weltmeere, davon ist ein großer Anteil Mikroplastik. Die kleinen Kunststoffpartikel stammen unter anderem aus Kunststofffasern von Funktionstextilien, aus der Industrie, aber auch aus Kosmetik- und Körperpflegeprodukten. In diesen Produkten dienen sie als Bindemittel, Peeling-Helfer oder sollen die Benetzungseigenschaften von Shampoos und Duschgelen verbessern.

Was bringt die Selbstverpflichtung?

Das Problem: Über das Abwasser gelangen die mikroskopisch kleinen Plastikpartikel in die Flüsse und ins Meer. Dort werden sie von Meeresorganismen aufgenommen und binden zudem noch Giftstoffe an sich. Forscher haben Mikroplastik bereits in Muscheln und Garnelen, aber auch in Speisefischen
wie Thunfisch, Kabeljau oder Makrele nachgewiesen. Bei diesen können sie Entzündungen hervorrufen, die Nahrungsaufnahme beeinflussen – oder letztlich auf unserem Teller landen.

Um gegen die Mikroplastik-Schwemme in Gewässern und Ozeanen vorzugehen, haben inzwischen zahlreiche deutsche Hersteller von Kosmetika und Körperpflegeprodukten einen Verzicht auf Mikroplastik angekündigt. Im Rahmen einer freiwilligen Selbstverpflichtung deklarieren einige Unternehmen ihre Produkte bereits als "frei von Mikroplastik".

Doch stimmt das auch? Das hat die Umweltorganisation Greenpeace nun überprüft. Für ihre Analyse wertete sie Informationen 22 deutscher Hersteller zu Inhaltsstoffen, Produkten und Richtlinien aus, bat zudem mittels Fragenkatalog um Auskunft und führte eigenen Analysen durch.

Verzicht nur auf feste Partikel

Das Ergebnis: Zwar hat die Selbstverpflichtung im sogenannten "Kosmetikdialog" zwischen Industrie und Politik feste Plastikpartikel aus Peelings und anderen abwaschbaren Pflegeprodukten verdrängt. Geblieben aber ist der massive Einsatz von synthetischen Polymeren in flüssiger, gel-, wachsartiger oder suspendierter Form.

Diese Plastik-Zusatzstoffe kommen in konventionellen Drogerie- und Markenprodukten noch immer massenhaft vor, wie der Test ergab. "Was die konventionelle Kosmetik uns als Mikroplastik-frei verkauft, ist eine Verbrauchertäuschung", sagt Sandra Schöttner, Greenpeace-Meeresexpertin. "Bekannte Kosmetik- und Körperpflegeprodukte, zum Beispiel aus der Nivea-Linie, haben nach wie vor ein Plastikproblem."

Nur die Naturkosmetik ist konsequent

Das Problem dabei: Die Umweltfolgen der flüssigen, gel- und wachsartigen Kunststoffe sind meist noch gar nicht bekannt oder geben Anlass zur Sorge. So gelten bestimmte Polyquaternium-Verbindungen als giftig für Wasserorganismen. Andere synthetische Polymere sind langlebig oder können sich mitsamt angelagerte Giftstoffe in Organismen anreichern.

Auf Basis der Auswertung kommt Greenpeace zu dem Schluss, dass die Selbstverpflichtungen der Firmen löchrig sind und für den Schutz der Meere und ihrer Bewohner nicht ausreichen. "So wird weiterhin Tag für Tag Plastik aus Kosmetik unsere Flüsse und Meere verschmutzen", sagt Schöttner. "Der Einsatz von festen und flüssigen Kunststoffen ist überflüssig und muss per Gesetz verboten werden."

Dass es auch ohne Plastik in Kosmetika, Shampoos, Duschgel und Co geht, belegen zertifizierte Naturkosmetikhersteller: Ob als Marke oder Drogerie-Eigenmarke – sie verzichten tatsächlich konsequent auf jede Form des Mikroplastiks – egal ob fest, flüssig oder als Gel." Wer also sicher gehen will, nicht durch seinen eigenen Konsum zur Plastikverschmutzung der Meere beizutragen, der sollte beim Einkauf zu solchen Produkten greifen.

Nach Ansicht von Greenpeace muss nun auch bei den konventionellen Produkten stark nachgebessert werden. Wenn nicht zweifelsfrei sicher sei, dass diese Kunststoffe unbedenklich sind, müssen sie gemäß dem Vorsorgeprinzip verboten werden – so die Sicht der Umweltorganisation.

Quelle: Greenpeace

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Informationen zum Artikel

Nadja Podbregar
Datum: 13.04.2017
Kategorie: Umwelt
Kommentare: 1

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