Fragebogen an einen Radfahrer

Wer nicht lenkt, hat schon ...

Zehn Fragen an den Autoren Kai Schächtele, der in seinem Buch "Ich lenke, also bin ich" von seinem ersten BMX erzählt - aber auch über den Irrsinn auf den Berliner Straßen und sein ambivalentes Verhältnis zur Verkehrsordnung.

adaf-250.jpgWer nicht lenkt, hat schon …

... die erste Lektion vor sich, die er auf dem Fahrrad lernen kann: Nur wer die Dinge selbst in der Hand hat, kommt zufrieden an sein Ziel.

Radfahren macht glücklich – das stimmt, ...

... weil es alles miteinander verbindet, was das Leben lebenswert macht: Fahrtwind, der einem ins Gesicht weht; Tempo, das aus den eigenen Beinen kommt; Staus, an denen man lächelnd vorbei fährt: und ab und zu ein Platten, der einen beim Flicken Demut und Geduld lehrt, zwei Eigenschaften, die auf dem Weg zum Glück unabdingbar sind.

Meine Lieblingsstrecke in Berlin …

führt auf dem Rennrad über die Straße des 17. Juni geradewegs aus der Stadt an den Wannsee, wo man auf der Havel-Chaussee mit nur wenig Fantasie schnell das Gefühl bekommt, auf dem Weg in den Urlaub zu sein – und nebenbei kann man ein paar Autos vernaschen, die sich an die Tempo 30-Beschränkung halten müssen.

Die großartigste Radlerstadt ist natürlich ….

... Kopenhagen, aber nur, wenn man sie auf dem eigenen Fahrrad direkt vom Radweg Berlin-Kopenhagen kommend erreicht.

Die Radfahrer-Hölle ist …

... der Kopf von Peter Rammsauer.

Beim Radfahren werde ich wohl niemals …

... Packtaschen verwenden können, auch wenn mich das mitunter zu waghalsigen Manövern zwingt, gegen das das Balancieren auf einem Drahtseil über den Gran Canyon kaum mehr als ein Spaziergang ist. Aber ich kann es nicht ändern: Packtaschen verstoßen gegen mein Gebot zum stilvollen Radfahren.

Radfahren oder Bahnfahren – ...

... heißt es in den meisten Fällen nur, weil die Deutsche Bahn noch viel lernen muss. Zum Beispiel, dass sie in ICEs schleunigst eine Mitnahmemöglichkeit für Fahrräder schaffen sollte. Die Räder, die die Deutsche Bahn in vielen Städten verleiht, sind leider kein Ersatz, sondern nur ein weiterer Verstoß gegen mein Gebot zum stilvollen Radfahren (ich verwende sie trotzdem regelmäßig, allerdings nur unter Protest).

Autofahrer werden niemals …

... verstehen, dass ein Stau kein Unglück ist, in das sie unverdient hineingeschlittert sind, sondern ein Problem, das jeder einzelne nur noch größer macht, und das sich ganz leicht lösen lässt, indem man das Auto einfach stehen lässt und auf ein anderes Verkehrsmittel umsteigt. Das Rad ist nicht die einzige Alternative, aber die eleganteste (ohne Packtaschen).

Ein Leben ohne Rad ist….

... wie eine Beziehung ohne Sex.

Noch besser als Radfahren ist nur …

... Sex.

Foto: Lena Petersen.

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"Ich lenke, also bin ich" kürzlich erschienen im Heyne Verlag, 224 Seiten, 8,99 Euro.

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Ein Leserkommentar zu diesem Artikel:
von Reiner Sailer / 12. Mai 2013 / 12.53 Uhr

Packtaschen und stilvolles Radfahren

Gravatar ThumbnailDas geht mir auch so, deshalb habe ich mir das Journeybike gebaut.

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Informationen zum Artikel

Dirk Liesemer
Autor: Dirk Liesemer
Datum: 10.11.2012
Kategorien: Freizeit / Menschen
Kommentare: 1
Schlagworte: Fragebogen / Radfahren / Berlin / Sex

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