Internationales Uran-Filmfestival in München, 26. - 29.09.

"Zum Thema Atomkraft gibt es auch Komödien"

Dieses Jahr findet das Internationale Uran-Filmfestival erstmals in München statt. Das rund um den Globus wandernde Festival, 2011 in Rio de Janeiro von einem deutschen Journalisten und einer brasilianischen Soziologin gegründet, will die Diskussion über die Atomkraft bereichern - und in Ländern wie Brasilien, wo die Atomkraft boomt, überhaupt erst anstoßen. Ein Gespräch über informierte Bürger und die russische Komödie "Atomic Ivan".

Suchanek_250.jpgnatur: Herr Suchanek, wie kommt ein in Brasilien lebender deutscher Journalist auf die Idee, ein Filmfestival zum Thema Atomkraft zu gründen? 

Suchanek: Die Atomenergie ist in Brasilien ein ganz wichtiges, aber völlig unterbelichtetes Thema. Ex-Präsident Lula, damals noch im Amt, hat vor rund sieben Jahren seine Meinung dazu geändert, seither fährt das Land voll auf Atomkurs. Zwei Kraftwerke gibt es bereits, eines ist im Bau und 40 weitere sind geplant. Auch Fukushima hat an diesem Kurs nicht viel geändert. Tenor der Diskussion war nur: Unsere Kraftwerke sind viel sicherer als die in Japan, da kann nichts passieren. Was leider nicht stimmt. Auch in Brasilien stehen Atomkraftwerke in einem erdbebegefährdeten Gebiet. Und es hat schon mehrere Unfälle gegeben. Bei einem Bergrutsch ist zum Beispiel einmal ein komplettes Labor mit radioaktiven Materialien ins Meer gerutscht. Doch es gab keinen Eklat, weil darüber kaum berichtet wurde und die Anti-Atombewegung im Land sehr schwach ist. Die Menschen wissen einfach zu wenig über diese Technologie. Und das ist in Indien, Afrika oder Asien nicht anders. Selbst in Deutschland bedeutet der Ausstieg ja nicht, dass man sich mit dem Thema nicht mehr beschäftigen braucht. Denn man muss sich Gedanken darüber machen, was jetzt mit dem ganzen Atommüll geschehen soll. Zumal eine neue Regierung den Ausstieg auch wieder kippen könnte.

Inwiefern kann ein Filmfestival Abhilfe schaffen?

Der Film ist zur Information über solche Dinge ein sehr geeignetes Medium. Er spricht alle Sinne an, weckt Emotionen, bleibt lange im Gedächtnis. Er kann auch Dinge zeigen, die sonst unsichtbar sind, etwa in Trickfilmen, und er kann Zukunftsszenarien entwerfen.

Gibt es denn so viele verschiedene Filme zum Thema?

Oh ja, wir haben inzwischen über 200 Filme in unserem Fundus: Dokumentationen, Trickfilme, Spielfilme, Kurzfilme, es ist alles dabei. Sogar Komödien zur Atomkraft gibt es. Eine, sie heißt, "Atomic Ivan" und kommt aus Russland, hat dieses Jahr den Yellow Oscar bekommen.

Yellow Oscar? Ihr Filmpreis ist also gelb statt golden?

Genau. Yellow Oscar bezieht sich auf Yellowcake. Das ist das gelbe Pulver, das in Uranminen aus dem Erz gewonnen wird und als Ausgangsmaterial für die Brennelemente in den Atomkraftwerken dient. "Gelbkuchen" auf deutsch.

Worum geht es in "Atomic Ivan"?

Ein Atomkraftwerksleiter engagiert einen Theaterregisseur, um ein Stück über die Arbeit im Werk zu inszenieren und damit seine Mitarbeiter zu motivieren. Ein sehr witziger Film über das Leben in einer solchen Anlage samt Liebesgeschichte. Und nebenbei lernt man sehr viel darüber, was da vor sicht geht.

Klingt allerdings nicht nach einem zwingend atomkritischen Film...

Nein, er ist wertneutral. Sicherlich sind die meisten unserer Filme eher kritisch, aber es gibt durchaus auch Streifen, die nicht direkt Stellung beziehen. Zum Beispiel auch die Dokumentation "unter Kontrolle" aus Deutschland, die die Arbeit eines Atomkraftwerks von seinem Bau bis zu seinem Rückbau dokumentiert. Oder der Kurzfilm "Kaffeepause" aus Schweden, ein Comedy-Thriller über den Tschernobyl-Unfall. Er ist lustig und spannend und transportiert unheimlich viele Hintergrundinfos, fällt jedoch kein Urteil. Und wir haben eine Doku über eine Stadt in Kanada, die zeigt, welche sozialen Probleme das Schliessen einer Uran-Mine dort mit sich gebracht hat.

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Könnte Homer Simpson auch Teil des Festivals sein? Der Protagonist der US-Zeichentrickserie "Die Simpsons" arbeitet ja auch in einem Atomkraftwerk.

Er hätte auf jeden Fall Chancen, gezeigt zu werden, wenn die Produtktionsfirma sich an uns wenden würde. Sie hat es bislang nur leider noch nicht getan. Es ist nicht so, dass wir aussuchen, welche Filme in unseren Fundus kommen. Die Produzenten melden sich - und jeder Beitrag, in dem es um Atomkraft oder Radioaktivität geht, kann aufgenommen werden. Es gibt zum Beispiel auch eine tolle Folge der Arztserie Dr. House, in der es um radioaktiven Schrott geht. Die würden wir auch zeigen.

Welcher ist Ihr Lieblingsfilm?

Schwer zu sagen. Es gibt viele sehr gute Filme. Die Dokumentationen sind für meinen Geschmack oft etwas langatmig. Eine flotte Komödie wie "Atomic Ivan" ist deshalb schon etwas wirklich Erfrischendes.

 

Mehr Infos

Das Uran-Filmfestival findet vom 26. bis 29. September in den Kinos "Rio Filmpalast" und Werkstattkino" in München statt. Einige Filme werden im Anschluss auch diskutiert. Alles Wissenswerte inklusive der Möglichkeit, das Filmfestival zu unterstützen, finden Sie auf www.uraniumfilmfestival.org

 

Fotos: Uranium Film-Festival

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Informationen zum Artikel

Jan Berndorff
Autor: Jan Berndorff
Datum: 01.08.2013
Kategorien: Veranstaltungen / Umwelt
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