Spitzbergen-Blog

natur auf Leserreise: Von wandelndem Klima und packendem Eis

Unser Redakteur Peter Laufmann und die natur-Leser sind heute aufs Packeis gestoßen und haben dabei viel über Meereis gelernt. Ihr Schiff, die Quest, ist weiter ins Nordpolarmeer vorgestoßen.

Pfannkucheneis.JPGSonne. Eis. Wir haben die Packeisgrenze bei 80°28'N 1°23' O erreicht. Die ganze Nacht hindurch sind wir gefahren, immer in Richtung Nordwest, in Richtung Grönland. Jetzt ist das Eis da. Man sieht Reste des alten Packeises, dazwischen das sogenannte Pfannkucheneis, das sind kleine Eisschollen deren Ränder aufgeworfen sind. Und Schlammeis, das heißt frisch gefrorenes Meer, das eine halbfeste Konsistenz hat. Hin und wieder erscheint am Horizont ein Eisberg, den Winde und Gezeiten von Grönland hergeschoben haben.

Die Sonne scheint. Es ist minus 1°C warm. Rund ums Schiff patrouillieren Schwalbenmöwen, Eissturmvögel und immer wieder Gruppen von Sattelrobben, die zu uns herrüberschauen. Das Meer ist in Bewegung; wie eine gigantische, in Zeitlupe geschüttelte Tischdecke schwingt es Auf und Ab. Aus den Fenstern sieht man den Ozean, dann den Himmel, den Ozean, den Himmel und so weiter, und so weiter... Ein einlullender Rhythmus.

In alle Richtungen ist Meer. Auch hier ist das Licht beeindruckend. Im Süden ist die Sonne zu sehen, die ihre Strahlen wie Speere durch die Wolken stößt. Von SO nach NW gibt es immer mehr Eis, die Zahl der Klonks am Schiffsrumpf nimmt zu. Martin fasst das Unfassbare zusammen: „Es ist nicht richtig Wasser, nicht Eis, nicht Himmel. Es ist etwas dazwischen."

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Unsere Expedition ist noch bemerkenswerter, wenn man sich vorstellt, dass es keine hundert Jahre her ist, als diese Gewässer kaum befahren wurden. Das Land um den Nordpol war einigen Abenteurern vorbehalten – und den Eisbären.

Unser Klimaforscher Dirk hat dem Bild vor unserem Bug eine theoretische Basis gegeben. Er berichtete vom Klimawandel, seinen Ursachen und Folgen. Schmerzliche Wahrheiten, die uns alle betreffen. Und die uns alle zum Handeln bringen sollten.

Die Quest fuhr immer weiter an der Grenzschicht zwischen offenem Meer und Packeis entlang. Nachmittags stießen wir mit den Zodiacs ins Eis. Aus der Nähe ist das gefrorene Wasser mehr als bloß ein physikalischer Zustand. Ein Mikrokosmos aus Formen; geschmolzen, getaut, aufgeworfen, umgekippt, abgetaucht und wieder an die Oberfläche geschwemmt. Es ist hart und porös, schmeckt salzig, natürlich; es ist Meereis.

Abends ziehen wir wieder unsere Spur durch die mit Eisschollen bedeckte See. Die Sonne steht tief, der Himmel zeigt ein Spektrum von Gelb über Orange nach Grau und Blau. Plus tausende von Zwischentönen.

Bilder: Peter Laufmann

Ein Leserkommentar zu diesem Artikel:
von Lilly / 19. Mai 2017 / 19.26 Uhr

Gravatar ThumbnailSehr poetisch geschrieben. Danke für den schönen Artikel! Ich würde auch so gerne in den Norden Reisen...wirklich faszinierende Landschaften. *-*

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Informationen zum Artikel

Peter Laufmann
Datum: 09.09.2013
Kategorien: Blogs / Leserreisen / Natur
Kommentare: 1
Schlagworte: Spitzbergen / Leserreise / Blog / Gletscher / Eisbär / Klimawandel

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