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natur+kosmos
das Magazin für Natur, Umwelt, nachhaltiges Leben
Wahre Liebe
Die Primatenforscherin Jane Goodall ist eine lebende Legende. Jetzt kommt ein Film über ihr Leben, ihre Forschung und ihr Engagement für die Natur in die Kinos. Wir sprachen mit der charmanten Lady über die Liebe, den Hass und die Seele der Schimpansen.
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Wem gehört die Welt?
Amerikaner und Russen reklamieren den Nordpol für sich, sämtliche Industriestaaten die Atmosphäre und einzelne Unternehmen sogar Patente auf Leben.
Was wäre wohl, wenn die Steinzeit schon das Patentrecht gekannt hätte? Wenn der erste Mensch, der vor Zigtausend Jahren mit Stein und Zunder ein Feuerchen anzündete, zum Amt gerannt wäre und seinen Anspruch auf Verfahren und Produkt angemeldet hätte? Wäre der Kochtopf je erfunden worden? Die Zentralheizung? Der Verbrennungsmotor?
Wir wissen es nicht. Eines ist jedoch klar: Es gibt Ressourcen auf der Erde, die für jedermann nutzbar sein sollten, sonst müssten viele von uns bald wieder leben wie unsere Urahnen. Feuer ist ein Beispiel: ein Gemeingut, das jeder kostenlos anwenden darf, sofern er nicht gerade die Hütte des Nachbarn abfackeln will. Solche Gemeingüter gibt es viele. Sie werden entweder von der Natur gratis zur Verfügung gestellt oder sind von uns selbst für die Gemeinschaft geschaffen worden. Und sie machen einen guten Teil unseres Wohlstands aus.
Die Gemeingüter der Erde
Gemeingüter, auch Gemeinschaftsgüter, englisch "Commons" oder altmodisch "Allmende" genannt, gibt es viele. Allgemein werden sie in so genannte natürliche und soziokulturelle Gemeingüter aufgeteilt, darüber hinaus in begrenzte und unbegrenzte. Zu den natürlichen gehören Feuer, Wasser, Luft, Flüsse, Seen, Regen, Schnee, Fauna und Flora, Bodenschätze, der Sternenhimmel, der Mond, das Sonnenlicht und nicht zuletzt das Erbgut. Zu den sozio-kulturellen zählen etwa die Sprache, die Wissenschaft, Parks, Bürgersteige, Märchen, Traditionen, die Musik, das Internet, freie Software, das Online-Lexikon Wikipedia und so weiter. Während Güter wie freie Software oder das Sonnenlicht quasi unbegrenzt zur Verfügung stehen - jeder kann sie nutzen ohne andere dadurch in ihrer Nutzung einzuschränken -, ist die Nutzung etwa der Bodenschätze oder der Luft (vor allem als Deponie für Abgase) begrenzt, weil sie sich irgendwann erschöpfen können oder unbrauchbar werden.
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Bislang zumindest. Denn viele Gemeingüter sind in Gefahr: Besitzansprüche auf Bodenschätze werden angemeldet, Gene patentiert, öffentliche Ländereien oder Wasservorkommen privatisiert. Sogar der freie Zugang zu Wissen und Bildung wird eingeschränkt. "Immer mehr Gemeingüter werden in Privateigentum umgewandelt, um sie auf dem Markt verkaufen zu können", warnt der US-Journalist und politische Analyst David Bollier. "Dies ist eine der großen - und von der Politik weitgehend ignorierten - Ungerechtigkeiten unserer Zeit."
Bollier gehört zu einer weltweiten Gruppe von Menschen, die diese Ungerechtigkeit anprangert und das dahintersteckende Wirtschaftssystem verändern will. Die Gruppe wird immer größer, mehrere Initiativen hat sie inzwischen gegründet. Eine davon ist die "Coalition for the Global Commons", die "Koalition für glo-bale Gemeingüter", die - vertreten durch ihren Vorsitzenden Seine Königliche Hoheit Prinz El Hassan bin Talal von Jordanien - zum World Commons Forum nach Salzburg einlädt.
Ziel des Salzburger Treffens ist es, die Menschen weltweit auf die Existenz der Gemeingüter aufmerksam zu machen und sie zu mobilisieren, für deren Erhalt einzustehen. Denn Gemeingüter sind sozusagen die "Schwarze Materie" unseres Wirtschaftssystems, wie es der US-Unternehmer und Autor Peter Barnes umschreibt: Sie sind überall und halten das System zusammen - aber wir nehmen sie zumeist nicht wahr.
Ein aktuelles Beispiel sind die Brandenburger Seen: Die bundeseigene Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) war dabei, einzelne Gewässer im Osten der Republik zu verkaufen, um Geld in die klammen Staatskassen zu spülen. Vor wenigen Wochen hat die BVVG ihre Pläne auf Eis gelegt und ein Moratorium über die weitere Privatisierung verhängt - dank einzelner Proteste und einer Online-Petition.
Beim World Commons Forum geht es jedoch weniger um lokale, sondern vor allem um globale Gemeingüter. Auch da gibt es aktuelle Beispiele: den Nordpol etwa. Bislang weitgehend als Niemandsland akzeptiert, weil dort ohnehin nur eine riesige Scholle Eis auf dem offenen Meer schwamm, wird er, seit das Eis schmilzt, plötzlich interessant. Geologen vermuten im Meeresboden, der nun für Bohrungen zugänglich wird, jede Menge Erdöl und -gas. Schon haben die Russen per U-Boot ihre Flagge in den Grund gerammt, um ihren Besitzanspruch geltend zu machen. Andere Anrainer-Staaten wie die USA und Grönland (vertreten durch Dänemark) haben Forscher losgeschickt, die beweisen sollen, dass weite Teile der Polregion aufgrund der geologischen Strukturen zu ihrem Hoheitsgebiet gehören.
Kein Wunder, denn es geht um viel Geld. Aber auf der anderen Seite würden die Umwelt und so die Menschen weltweit unter der Ausbeutung und Verfeuerung der Nordpolressourcen leiden. "Warum schreit in dieser Situation keiner: Der Nordpol gehört uns allen, Hände weg!?" fragt sich Frithjof Finkbeiner von der Global-Marshall-Plan-Initiative. "Wir müssen solche Ressourcen für die nächsten Generationen erhalten. Die machen dann hoffentlich Sinnvolleres damit, als sie durch einen Otto-Motor zu jagen."
Noch drängender aber, zumal im Dezember der nächste - und vielleicht entscheidende - Klimagipfel ansteht, sei die Frage: Wem gehört der Himmel? "Ist es etwa gerecht", fragt Finkbeiner, "wenn die USA und Europa, also nicht einmal eine Milliarde Menschen, zusammen 60 Prozent der Treibhausgase emittieren dürfen, während der Rest der Welt, fast sechs Milliarden Menschen, sich die verbleibenden 40 Prozent teilen müssen?" Finkbeiner fordert einen Weltvertrag für mehr Klimagerechtigkeit. Es sollte eine Gesamt-Obergrenze für Emissionen geben. Wer mehr Treibhausgase ausstößt als weltweit durchschnittlich tragbar ist, sollte das Recht dafür denen, die weniger ausstoßen, abkaufen müssen.
Das World Commons Forum
120 handverlesene Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und der Zivilgesellschaft sowie Künstler, Medienvertreter und Wissenschaftler sind am 29. September in den Thronsaal der Residenz in Salzburg eingeladen - zum World Commons Forum. Veranstalter sind die "Coalition for the Global Commons", die Global Marshall Plan Foundation und der Club of Rome.
natur+kosmos unterstützt das Forum als Medienpartner. Die Leitfrage der Veranstaltung lautet: "Welche Welt hinterlassen wir unseren Kindern?" Die Teilnehmer erarbeiten Maßnahmen, die das Verständnis für globale Gemeingüter fördern sollen und das Ziel haben, dass wir uns als Bürger einer Welt verstehen. Diskutieren werden neben Prinz Hassan von Jordanien zum Beispiel auch der Physiker und Politiker Ernst-Ulrich von Weizsäcker, der ehemalige EU-Agrarkommissar Franz Fischler und per Videokonferenz der indische Vorsitzende des Weltklimarats Rajendra Pachauri.
Für die letzten freien Plätze zur Teilnahme können sich Interessenten über die Internetseite www.world-commons-forum.org/apply bewerben.
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Solche Lösungen hält die Publizistin und Expertin für Gemeingüter Silke Helfrich durchaus für machbar: "Es ist historisch ein guter Moment: Die Idee, Individualismus bedeute Privateigentum und mehr Freiheit, hat sich überlebt; die Knappheit der natürlichen Ressourcen ist den meisten endlich bewusst geworden; und die Finanzkrise führt deutlicher denn je vor Augen, dass weder der Staat noch der Markt dafür sorgen können, unsere Ressourcenbasis zu erhalten." Daher sei es an der Zivilgesellschaft, das System ins Lot zu bringen. So könne zum Beispiel eine Forderung sein, den Nordpol unangetastet zu lassen, frei nach dem Vorbild Ecuadors: Das Land will eine große Erdöllagerstätte unter seinen Regenwäldern ruhen lassen, sofern die Weltgemeinschaft bereit ist, ihm dafür eine Art Entschädigung zu zahlen, die ja in Form von besserer Luft und intaktem Regenwald allen zugute kommt. "Wir müssen", so Helfrich, "wie bei Ecuador die Anreizsysteme so umstricken, dass der Erhalt eines Gemeinguts honoriert wird und nicht die Ausbeutung." Um es mit den Worten Prinz Hassans auszudrücken: "Wir müssen lernen, uns als Bürger einer Welt zu verstehen."
JAN BERNDORFF
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Quelle: | natur+kosmos, Redaktion | | 18.09.2009 |
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